Alle Beiträge von Marie-Therese Praniess

Marie-Therese Praniess war von 2014-2017 bei Deloitte Österreich tätig. Sie begleitete im Bereich Corporate Development verschiedene strategische Initiativen – von der Planung bis hin zur operativen Umsetzung. Seit 2016 war sie darüber hinaus für die Koordination der Corporate Responsibility Aktivitäten von Deloitte Österreich (Deloitte Future Fund) zuständig.

Die Deloitte/RBI Finance & Accounting School ist abgeschlossen und wir gratulieren!

Ziel der Deloitte/RBI Finance & Accounting School war es, 15 hochmotivierten geflüchteten Menschen eine Buchhaltungsausbildung zu ermöglichen, die ihnen einen guten Start am österreichischen Arbeitsmarkt erlaubt. 

15 TeilnehmerInnen haben von Februar 2017 bis Ende November 2017 am WIFI Deutsch- und Buchhaltungskurse besucht. Daneben gab es eine Seminarreihe zu Themen wie Bewerbungen, Arbeitsmarkt und interkulturelle Kompetenzen. Nun konnten die Teilnehmerinnen neben der B2 Prüfung auch die anerkannte WIFI Prüfung „Buchhaltunsgspraxis“ absolvieren. Ein Großteil konnte die Prüfung auch überaus erfolgreich bestehen.

Die TeilnehmerInnen waren stets motiviert und engagiert. Wir gratulieren herzlich zu den Erfolgen und freuen uns, dass viele von ihnen auch bereits am Arbeitsmarkt angekommen sind!

Credits: RBI.          Teilnehmerinnen, Buddies, Projektverantwortliche

 

 

Interview mit Bilal und Majed

Majed und Bilal

Bilal, 32 Jahre alt, ist 2015 aus Aleppo nach Wien geflohen. Er arbeitet seit November bei Deloitte.

Majed, 32 Jahre alt, lebt ebenfalls seit 2015 in Wien und kommt aus Syrien. Er arbeitet auch seit November bei Deloitte.

Beide kennen sich bereits aus Syrien, da sie zeitgleich an der Aleppo Universität studiert haben.

Marie: Ihr seid nun beide seit Anfang November bei Deloitte beschäftigt. Wie seid ihr zu Deloitte gekommen?

Bilal: Meine Geschichte hat im Grunde mit einem E-Mail begonnen. Ich habe ein Mail von refugeeswork erhalten, in dem das More Than One Perspective Programm (MTOP) beworben wurde. Ich habe mich daraufhin für das Programm beworben und daran teilgenommen. Dort gab es unterschiedliche Vorträge – u.a. zu den Themen Arbeitsmarkt, Bewerbungen, Interviewtraining etc. Ich habe meine Sprache dort sehr stark verbessern können, es ist wirklich ein tolles Programm, denn der Fokus liegt auf Kommunikation – nicht nur auf der Grammatik. Durch MTOP bin ich dann wiederum zu Deloitte gekommen. Ich hatte zu Beginn ein Interview mit dir und anschließend mit dem Team, wo ich später dann auch ein Praktikum absolviert habe. In meinem ersten Praktikum im Sommer ging es darum, geflüchtete Menschen im Rahmen eines Research Projekts mit der University of Oxford zu interviewen. Im Rahmen des Praktikums habe ich erfahren, dass Deloitte auch Buchhaltungskurse am WIFI für geflüchtete Menschen finanziert. Ich habe dann einen Platz in diesem Kurs „Deloitte/RBI Finance & Accounting School“ bekommen und im Dezember werde ich den Kurs abschließen. Mittlerweile absolviere ich ein Praktikum im BPS Bereich bei Deloitte. Hier machen wir Umsatzsteuervoranmeldungen, Lohnverrechnung, im Grunde alles im Buchhaltungsbereich. Das macht mir viel Spaß.

 

Marie: War es dein Ziel, in der Buchhaltung zu arbeiten?

Bilal: Ja. Ich arbeite sehr gerne mit Zahlen. Es macht mir sehr viel Freude in diesem Bereich zu arbeiten. Ich merke auch gar nicht, dass die Zeit vergeht. Manchmal müssen mich die anderen sogar erinnern, dass es Zeit ist für die Mittagspause oder für das Heimgehen ist!

 

Marie: Das klingt schön. Hast du das Gefühl, dass du die Kenntnisse aus der Deloitte/RBI Finance & Accounting School bereits praktisch einsetzen kannst?

Bilal: Der Kurs ist sehr hilfreich. Das Buchhaltungssystem in Syrien unterscheidet sich doch recht stark vom Buchhaltungssystem in Österreich. Ohne dem Kurs würde das Praktikum jetzt sicherlich nicht so gut verlaufen. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass ich meine fachlichen Kenntnisse auch einbringen kann und daneben natürlich durch das Praktikum auch sehr viel an Praxiserfahrung gewinne.

 

Marie: Majed, wie ist das bei dir? Wie bist du zu Deloitte gekommen und in welchem Bereich arbeitest du nun?

Majed: Nach dem Erhalt meines Asylstatus habe ich so schnell als möglich versucht Arbeit zu finden. Ich habe beim Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) als Berater gearbeitet und dann dort jemanden kennengelernt, der bei der RBI arbeitet. So bin ich zur Deloitte/RBI Finance & Accounting School gekommen. Da habe ich dann dich kennengelernt und so hatte ich die Möglichkeit für ein Interview bei Deloitte. Ich habe früher auch in Dubai und Katar im Bankenbereich gearbeitet, daher hat mir der Name Deloitte bereits etwas gesagt. Es war immer so etwas wie mein Traum für eine Firma wie Deloitte zu arbeiten. Ich bin sehr glücklich sagen zu können, dass sich mit dieser Stelle dieser Traum erfüllt hat.

 

Marie: Wie würdet ihr die Unternehmenskultur bei Deloitte beschreiben? Kann man sie mit der Unternehmenskultur in euren vorherigen Jobs in Syrien oder Katar vergleichen? Gibt es Unterschiede?

Majed: Ich denke die Arbeit an sich ist schon ähnlich. Aber die Unternehmenskultur unterscheidet sich natürlich. Sie unterscheidet sich aber auch stark z.B. zwischen ÖIF und Deloitte. Bei Deloitte gefällt es mir sehr gut, dass ich eine gewisse Freiheit habe. Ich mag das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird und die Integrität. Ich bin sehr motiviert in so einem Umfeld viel zu geben! Ich habe das Gefühl, dass ich mich hier gut entfalten kann und mich weiterentwickeln kann.

 

Marie: Wie ist das Onboarding bei euch abgelaufen?

Majed: Mir hat am ersten Tag sehr gut gefallen, dass alles sehr strukturiert war. Nach der Willkommensveranstaltung erhält man sein Handy und seinen Laptop, man konnte also direkt loslegen. Man muss sich selbst im Grunde nicht kümmern. Natürlich erhält man am Anfang sehr viele Informationen, gerade über interne Strukturen. Das ist natürlich einerseits etwas überfordernd, andererseits auch sehr wichtig um schnell „reinzukommen“. In meiner Position im Human Capital Advisory werde ich viel mit meinen internen Kunden zu tun haben, daher ist es wichtig, dass ich die Personen kennenlerne.

 

Marie: Habt ihr in euren Teams bereits Anschluss gefunden?

Bilal: Ja ich denke schon. Ich gehe oft mit meinem Team Mittagessen. Ein Teammitglied ist auch mein Buddy, der mich bei Unklarheiten und Fragen unterstützt. Zu ihm habe ich einen guten Draht.

 

Marie: Was konntet ihr durch euer Praktikum bereits lernen?

Bilal: Ich bin der Meinung man lernt immer neue Dinge. Auch wenn man schon Erfahrung mitbringt.

Majed: Ich stimme zu. Auch wenn die Stelle ähnlich zu dem sein sollte, was man früher gemacht hat – man lernt immer. Man lernt von den Kolleginnen und Kollegen, es sind neue Erfahrungen. Man kann sich immer weiterentwickeln und sich verbessern in dem was man tut.

 

Marie: Majed, du wirst in Kürze Vater. Was willst du deiner Tochter später einmal als Tipp für die Zukunft mitgeben?

Majed: Mir ist die Freiheit sehr wichtig. Nicht nur Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit. Freies Denken, unabhängig von anderen, auch von den Eltern. Ich möchte für sie, dass sie studiert. Bildung ist so wichtig. Sie soll studieren was sie interessiert und was ihr Spaß macht. Sie soll sich auf die Zukunft konzentrieren. Es gibt viele Jugendliche, die nicht wissen wohin sie sollen. Ich denke man muss viel lernen und viel lesen damit man weiß wie die Zukunft aussehen könnte und damit man die richtigen Entscheidungen treffen kann, die einen fit für die Zukunft machen. Ich denke Technologie ist ganz wichtig. Vielleicht würde ich ihr vorschlagen, dass sie in diesem Bereich studieren sollte, aber wie gesagt – es muss ihr Spaß machen und ich bin sicher, sie wird ihren Weg gehen!

 

Marie: Bilal, was ist dir wichtig im Leben? Was ist dein „Lebensmotto“?

Bilal: Ich finde es sehr wichtig, dass man jeden Tag Neues lernt. Wenn ein Tag ohne Weiterentwicklung vergeht, dann hat man etwas verloren. Ich bin auch der Meinung, man muss sich immer Mühe geben, um etwas zu erreichen. Wenn man etwas gerne tut, dann umso besser. Das ist aber nicht selbstverständlich.

Majed: Das Leben muss man auch ernst nehmen. Auch als Kind. Man soll Freizeit haben, aber das Leben auch ernst nehmen. Es war für Bilal und mich zum Beispiel nicht einfach in ein neues Land zu flüchten und dann alles von 0 aufzubauen. Ich lebe nach dem Motto „Knowledge is life with wings“. Je mehr meine Tocher also lernt, desto mehr sie sich bildet, desto einfacher ist die Zukunft für sie. Die Ausbildung ist also neben Freiheit das Wichtigste für mich.

 

Marie: Majed, du bildest dich selbst ständig weiter. Du bist nach Österreich gekommen, hast sofort mit dem Deutschlernen begonnen, einen Controller Kurs gemacht und Vollzeit gearbeitet. Heute machst du deinen Master, besuchst die Deloitte/RBI Finance&Accounting School, arbeitest bei Deloitte und sprichst perfekt Deutsch. Wie hast du das alles in 2 Jahren geschafft? Und wie bringst du alles unter einen Hut?

Majed: Es ist sicher nicht einfach. Wie du gesagt hast – seit ich in Österreich bin, arbeite ich Vollzeit und studiere nebenbei. Die wichtigste Sache ist sicherlich die Motivation. Und zwar nicht die Motivation von außen, sondern die Motivation von innen. Ich motiviere mich selbst. Meine Motivation ist, dass ich weiß wohin ich will. Das ist sicherlich nicht einfach, ich habe eine Familie. Da ist natürlich auch das Verständnis meiner Frau sehr wichtig. Sie versteht mich und glaubt an mich. Ich studiere jetzt nicht, weil es immer Spaß macht und leicht ist – ich studiere, weil das immer mein Traum war. In Syrien konnte ich meinen Master nicht machen, weil mein Vater leider früh verstorben ist und ich nach dem Bachelor arbeiten musste, um meine Familie zu unterstützen. Das hole ich jetzt nach. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine unglaubliche Motivation.

Auch Zeitmanagement ist natürlich sehr wichtig. Manche Menschen sagen, dass sie keine Zeit haben. Es gibt aber immer Zeit, wenn man nur wirklich will.

 

Marie: Bilal, wie schaffst du das? Du sprichst nach nur zwei Jahren sehr gut Deutsch, machst ebenfalls die Deloitte/RBI Finance&Accounting School und arbeitest 40 Stunden in der Woche.

Bilal: Es ist schon sehr stressig muss ich sagen. Dadurch, dass man so viel lernt am Anfang und man so viele Eindrücke hat, ist es nicht einfach. Als ich nach Österreich gekommen bin, war ich der Meinung, dass man sich sehr viel Mühe geben muss, um sich zu integrieren, eine Arbeit zu bekommen. Man muss diese Schwierigkeiten akzeptieren und damit umgehen um ein neues, gutes Leben starten zu können. Wenn man das nicht akzeptiert, dann kann man eigentlich nichts machen.

Majed: Das ist auch eine Analyse vom Lebenslauf her. Man muss seinen Lebenslauf analysieren und schauen, wo sind meine Stärken, wo sind meine Schwächen. Und in einem neuen Land gibt es sicher viele Herausforderungen: Sprache, Ausbildung etc. Wenn eine Österreicherin also z.B. eine Stunde an etwas arbeitet, dann müssen wir doppelt so viel arbeiten – man muss also vieles nebenbei machen um schnell zu lernen und besser zu werden. Ansonsten hat man keine Chance.

 

Marie: Was war bisher euer schönster Moment bei Deloitte, falls es so etwas gibt?

Majed: Für mich war sicher der schönste Moment, als ich die Zusage für den Job bekommen habe. September scheint überhaupt mein Glücksmonat zu sein. Im September habe ich mit meinem ersten Job in Österreich angefangen – beim ÖIF. Im September habe ich geheiratet und im September habe ich hier die Zusage für den Job bei Deloitte bekommen.

Bilal: Mir fällt nicht nur ein Moment ein – es gab bisher sehr viele schöne Momente. Insbesondere die Momente, wo ich mit Zahlen arbeiten kann.

 

Marie: Vielen Dank euch beiden für das Interview und die spannenden Einblicke!

Adventkranz der Diakonie

Es freut uns sehr, dass auch heuer wieder Michael Chalupka (Direktor der Diakonie) und Angelika Rohr (seitens der Diakonie zuständig für Unternehmenskooperationen) bei uns zu Besuch waren, um uns einen Adventkranz zu überbringen.

Bernhard Gröhs hat diesen in Stellvertretung für alle im Deloitte Future Fund engagierten Deloitte MitarbeiterInnen angenommen.

Der Kranz wird nun unsere Lobby in der Renngasse in der Vorweihnachtszeit schmücken. Der Adventkranz wurde übrigens vor rund 170 Jahren von der Diakonie „erfunden“.

Der Deloitte Future Fund unterstützt die Diakonie Österreich seit Anfang 2016 bei der Schaffung von Perspektiven für geflüchtete Menschen. Durch das gemeinsame Projekt „Integration durch Bildung“ werden Geflüchtete dabei unterstützt, Bildung zu erhalten und in Österreich Fuß zu fassen. MitarbeiterInnen von Deloitte bringen sich als LernpatInnen persönlich in diesem Projekt ein.

von links nach rechts: Bernhard Gröhs (CEO, Deloitte), Angelika Rohr (Unternehmenskooperationen, Diakonie), Michael Chalupka (Direktor, Diakonie), Marie-Therese Praniess (Corporate Development, Deloitte)

found! Ideation Workshop

Am Donnerstag, den 9. November fand der diesjährige found! Ideation Workshop “From Idea to Impact” im Impact Hub Vienna statt. Ziel des Workshops war es, über Ideen strukturiert nachzudenken und dabei blinde Flecken zu identifizieren. Zielgruppe waren Personen, die eine (vage) Idee haben, wie sie Arbeitsplätze für geflüchtete Menschen schaffen möchten und sich für eine Teilnahme an found! interessieren.

Der Tag startete mit einer Kennenlernrunde, wobei die Fragen hier persönlich gehalten waren. So wurde es bereits zu Beginn des Tages ermöglicht, Anknüpfungspunkte unter den TeilnehmerInnen zu identifizieren.

Anschließend gab es einen Input zum Thema Social Entrepreneurship und eine weitergehende Diskussion was ein Social Business denn eigentlich ausmacht.

Der Fokus des Tages lag auf dem Idea Core und Impact Canvas. Die TeilnehmerInnen haben sich mit den an Design Thinking angelehnten Arbeitspaketen beschäftigt, um an ihren potenziellen Einreichungen bei found! zu arbeiten. Peer Feedback hat zur Weiterentwicklung der eigenen Idee beigetragen.

Um aus erster Hand zu erfahren, was bei einer Teilnahme an found! auf die TeilnehmerInnen zukommt, hat Karin Melcher von CARamel persönlich von ihren Erfahrungen berichtet. CARamel hat den ersten found! Durchgang gewonnen und mit seiner Story die künftigen potenziellen found!er inspiriert.

Vielen Dank allen TeilnehmerInnen für ihr Interesse und ihr Kommen!

Bewerbungen sind noch bis 1. Dezember unter diesem Link möglich!

Ideation Workshop im Impact Hub Vienna

Deloitte im Bildungszentrum Bach

Am Freitag, den 15. September war Deloitte im Bildungszentrum Bach zu Besuch. Ziel des Nachmittags war es, Raum für Austausch zu schaffen und einander kennenzulernen.

Nach einer Hausführung durften wir in einen Bildungsbasiskurs hineinschnuppern. Bildungsbasiskurse dienen der Vorbereitung auf den Pflichtschulabschlusskurs. 2017 werden etwa 120 TeilnehmerInnen im Bach Bildungszentrum die Bildungsbasiskurse durchlaufen. Einige dieser Personen werden von dzt. neun engagierten Deloitte MitarbeiterInnen in Lernpatenschaften unterstützt.

Nach einigen Kennenlernspielen haben wir uns bei selbstgemachten Speisen weiter ausgetauscht.

Vielen Dank allen MitarbeiterInnen und SchülerInnen des Bach Bildungszentrums für die Gastfreundschaft!

Deloitte Mitarbeiterinnen und Schülerinnen des Bildungszentrums Bach

Interview mit Christian Havranek, HR Leader und Human Capital Partner bei Deloitte Österreich

Christian Havranek

Marie: Das Projekt „Second Chance“ des Deloitte Future Funds soll Praktika für geflüchtete Menschen bei Deloitte Österreich ermöglichen. Da du HR Leader von Deloitte Österreich bist und außerdem im Human Capital Consulting bereits Praktikanten mit Fluchtgeschichte aufgenommen hast, freue ich mich über diese Gelegenheit dich zum Projekt zu interviewen. Meine erste Frage an dich: warum ist dir das „Second Chance“ Projekt wichtig?

Christian: Einerseits sind für mich geflüchtete Menschen eine besondere Gruppe am Arbeitsmarkt. Diese Gruppe an Menschen ist unvergleichbar zu allen anderen. Hier geht es natürlich darum zu schauen, ob da nicht für uns als Arbeitgeber die Chance besteht, diese Personen als Talente für uns zu gewinnen. Viele standen bereits im Heimatland im Berufsleben und bringen interessante Qualifikationen mit. Andererseits – wenn wir uns vorstellen, dass alle Unternehmen einen kleinen Beitrag leisten – dann wird das Problem der Arbeitsmarktintegration in Summe kleiner.

Marie: Im Human Capital Consulting haben bereits mehrere Personen mit Fluchtgeschichte Praktika absolviert. Was sind deine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke?

Christian: Was ich erlebe ist eine sehr hohe Arbeitsorientierung und eine starke Konzentration auf den eigenen Aufgabenbereich. Das heißt, es sind nicht unbedingt Personen die im Mittelpunkt des Geschehens stehen – es besteht ein sehr guter sachorientierter Umgang miteinander. Ich habe also bisher sehr positive, sehr angenehme Erfahrungen machen dürfen.

Marie: Was hatte die Aufnahme von diesen Praktikanten für einen Effekt auf das jeweilige Team? Gab es sprachliche Hürden?

Christian: Generell erleben wir einen steigenden Englischanteil in Projekten. Jede Weiterbildung ist bei uns in Englisch. Man erlebt teilweise auch in Kundenprojekten – wenn hier jemand aus dem Ausland kommt und vielleicht weniger gut Englisch kann – auch dann wird man einen Weg finden. Ähnlich ist es mit der Verständigung mit den geflüchteten Menschen auf Deutsch. Unser mittlerweile unbefristet angestellter (ehemaliger Second Chance Praktikant) hat aber z.B. einen Aufgabenbereich wo er sehr viel mit Zahlen hantiert – da ist er auch sehr gut und sehr genau und da gibt es fast keine Probleme mit der Kommunikation. Derzeit ist in Überlegung, ihn von 20 Stunden auf 40 Stunden aufzustocken. Das wäre natürlich für seine Einkommenssituation gut, da er derzeit nicht viel mehr als die Mindestsicherung verdient. Man merkt, die Menschen wollen in vielen Fällen einfach arbeiten, auch wenn sie dann nicht viel mehr haben als die Mindestsicherung.

Marie: Wie lief die Einarbeitungszeit ab?

Christian: Die Einarbeitung lief im Grunde wie immer – über einen Coaching, one-to-one Ansatz. Grundsätzlich kann ich sagen, dass diejenigen Personen, die für die Einarbeitung der Praktikanten zuständig waren, sehr engagiert bei der Sache waren als sie gesehen haben wie motiviert und arbeitswillig die Praktikanten waren. Im Grunde war die Einarbeitung im Team total problemlos. Es ist ein wechselseitiger, sehr höflicher und sachbezogener Umgang. Es ist alles sehr unaufgeregt.

Marie: Konntest du oder das Team etwas von den Praktikanten lernen?

Christian: Was ich jedenfalls lerne ist, dass die geflüchteten Menschen bei uns sehr konzentriert arbeiten. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es da durchaus andere Pausenkulturen gibt. Generell arbeiten sie sehr intensiv. Grundsätzlich sind es sicher sehr wagemutige Menschen, die den individuellen Weg nach Europa auf sich nehmen.

Marie: Gibt es in der Zusammenarbeit spezielle Herausforderungen?

Christian: Das wirklich Einzige was mir einfällt ist, man muss sich bemühen so zu sprechen, dass man gut verstanden wird. Es ist wirklich schwer Deutsch zu lernen und da muss man auch eine gewisse Sensibilität haben, nicht gleich mit Fachausdrücken um sich zu werfen.

Marie: Was empfiehlst du geflüchteten Personen, die am österreichischen Arbeitsmarkt Fuß fassen möchten?

Christian: Ich sehe das am Beispiel der geflüchteten Person die ich privat betreue. Für extrovertierte Personen, die in irgendeiner Form Kontakt zu Österreicherinnen und Österreichern haben, ist es leichter. Ein großes Problem haben jene, die keine Kontakte haben und in ihrer eigenen Community bleiben. Denn diese Personen leben sehr isoliert, da werden natürlich auch die Sprachkenntnisse nicht wirklich schnell besser. Anschluss suchen finde ich also einen ganz wichtigen Punkt.

Marie: Was möchtest du österreichischen Arbeitgebern, die in ihrem Unternehmen Arbeitsplätze für geflüchtete Personen schaffen wollen, mit auf den Weg geben?

Christian: Man braucht im Unternehmen einen Menschen der primär den CSR Aspekt bzw. das humanitäre Anliegen im Fokus hat und man muss gleichzeitig akzeptieren, dass das Business das Business ist und damit natürlich im Vordergrund steht. Wichtig ist es in meinen Augen geduldig zu schauen – wo gibt es Überschneidungen, wo macht es Sinn.

Marie: Vielen Dank für das Interview!

Interview mit found! Mentorin Milica Sundic

Stefan Steinberger und Milica Sundic

Marie: Liebe Milica, was sind die Inhalte deiner Tätigkeit bei Deloitte Österreich?

Milica: Als Innovationsmanagerin bin ich für den Innovationsprozess im Unternehmen verantwortlich. Ich habe einen sehr abwechslungsreichen Job – eine meiner Hauptaufgaben dabei ist, innovative Ideen und New Business Projekte zu fördern und zu unterstützen.

Marie: Wo siehst du den Konnex zwischen deiner Arbeit und unserer Social Start-up Initiative found!?

Milica: In Rahmen unseres Innovationsprogramms kooperieren wir mit Start-Ups und vernetzen uns in der Community. Darüber hinaus bin ich seit mehreren Jahren Start-Up Mentorin und unterstütze junge Entrepreneure bei der Ideenentwicklung, beim Business Modelling oder durch Vernetzung mit Industriekontakten.

Wir haben mehrere Initiativen für Start-Ups bei Deloitte. Im Rahmen von found! habe ich als Mentorin mitgearbeitet, vor allem um das Start-up beim Business Model und bei konkreten Umsetzungsplänen zu unterstützen. Ich freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Durchlauf und die neuen Start-ups!

Marie: Wie konntest du refugees{Code} als Mentorin bei der Umsetzung ihrer Business Idee unterstützen?

Milica: Ich habe Stefan, Daniela und Alexander vor allem viele Fragen zum Business Model gestellt und sie so herausgefordert, über die Risiken und Potenziale im Projekt genau nachzudenken. Es ist sehr wichtig, eine Vision zu haben. Noch wichtiger ist aber auch einen Plan zu machen, wie man das Ziel erreichen kann und was man dazu braucht – welche Partner, Unterstützer oder Ressourcen. Es war vermutlich nicht einfach für das Team, aber Mentoring bedeutet nicht nur Cheerleader zu sein, sondern das Team einen großen Schritt weiter zu bringen.

Marie: Was waren deine Highlights während der sechs-monatigen intensiven Zusammenarbeit?

Milica: Ein Highlight war das erste Kennenlernen gleich zu Beginn des Programms. Hier trifft man zum ersten Mal persönlich auf die Start-Ups und tauscht sich aus, wie das Mentoring in den nächsten Monaten gestaltet werden soll. Ich erinnere mich, ich wusste sofort, dass ich aufgrund meiner Ausbildung auf der TU Wien sowohl mit Kow-how, als auch mit Leidenschaft für Informatik das Mentoring für refugees{code} übernehmen möchte.

Marie: Wo steht refugees{Code} aktuell?

Milica: Der Brutkasten hat kürzlich darüber berichtet und auch wir sind natürlich sehr stolz darauf, dass gleich im ersten Durchgang der Coding Ausbildung eine Stelle an einen Flüchtling vermittelt werden konnte. Stefan Steinberger ist stets bemüht und mit Herz dabei, das Projekt refugees{code} weiterzutragen. Wir werden bestimmt noch weitere Success Stories dazu berichten können.

Marie: Vielen Dank für das spannende Interview!

found! Wo stehen die unterstützen Projekte aktuell?

Mit found! unterstützt der Deloitte Future Fund gemeinsam mit dem Impact Hub Social Start-up Projekte, die Arbeitsplätze für Geflüchtete schaffen.

Während einer sechs-monatigen Incubation-Phase (Oktober 2016 – April 2017) haben die Projekte Zugang zu Experten, Workshops, Mentoring sowie dem Co-Working Space im Impact Hub Vienna erhalten.

Hier stellen sich die Projekte kurz vor:

Die drei Gewinnerprojekte Café Namsa, CARamel und InterprAID haben finanziellen Support erhalten und können außerdem weitergehende pro-bono Beratungsleistungen von Deloitte Österreich in Anspruch nehmen.

Wo stehen die Projekte aktuell?

Beim Café Namsa steht im September die Eröffnung des Cafés an, ab Herbst werden so vier Arbeitsplätze in Innsbruck geschaffen. Die eingestellten geflüchteten Menschen werden im Café Namsa als Baristas ausgebildet und haben so später die Möglichkeit, eine qualifizierte Stelle in Hotel- oder Gastronomiebetrieben zu finden.

CARamel startet derzeit in Wien durch: Neben mobilen Autoreinigungen werden mittlerweile auch Fahrradreinigungen und Motorradreinigungen angeboten. Derzeit gibt es einen angestellten Service-Mitarbeiter und eine Person im Arbeitstraining, die voraussichtlich ab Herbst in ein reguläres Dienstverhältnis übernommen wird.

Auch bei InterprAID geht es in Kürze von der Pilotphase in die Acceleration. Über 100 DolmetscherInnen sind inzwischen bereits auf der Plattform vertreten.

Wir werden den Fortschritt der Projekte natürlich weiterhin verfolgen und auch in Zukunft Projekt-Updates am Blog posten!

Interview mit Lernpatin Shadya Ayoub

Marie: Wie bist du auf die Initiative Integration durch Bildung aufmerksam geworden?

Shadya: An meinem ersten Arbeitstag bin ich durch die Deloitte Willkommensveranstaltung auf den Future Fund aufmerksam geworden. Die Initiative hat mein Interesse geweckt und ich wollte mehr darüber erfahren. Als du mir dann Möglichkeiten aufgezeigt hast, wie man sich in den verschiedenen Projekten einbringen kann, habe ich mich für ein Engagement als Lernpatin zu interessieren begonnen.

Marie: Was motiviert dich zu diesem Engagement als Lernpatin in diesem Projekt?  

Shadya: In meiner Tätigkeit bei Deloitte berate ich Unternehmen bezüglich Fördermöglichkeiten für ihre Projekte in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation. Ich zeige gerne Perspektiven auf und finde es spannend Menschen bei der Umsetzung ihrer Ideen zu begleiten. Meine Motivation mich als Lernpatin zu engagieren ist es nicht nur Perspektiven für Unternehmen zu schaffen, sondern auch für sozial benachteiligte Menschen, besonders für Flüchtlinge. Bildung spielt beim Thema Integration eine wichtige Rolle. Fatime ist sehr wissbegierig und motiviert, da macht die Lernpatenschaft umso mehr Freude.

Marie: Was sind die Inhalte der Lernpatenschaft?

Shadya: In meiner Lernpatenschaft mit Fatime geht es hauptsächlich darum Deutschkenntnisse schriftlich sowie mündlich zu vermitteln. Dazu gehören unter anderem Grammatikübungen, Hausaufgaben, Referats- und Prüfungsvorbereitungen. Zuletzt haben wir zum Beispiel ein Referat zu Gandhi für eine Geschichteprüfung zusammen vorbereitet. Ziel ist der Pflichtschulabschluss.

Marie: Wie wirkt sich die Lernpatenschaft auf dich und Fatime aus?

Shadya: Die Lernbegleitung ist für mich eine abwechslungsreiche Tätigkeit zusätzlich zu meinem sonstigen Aufgabenbereich. Besonders spannend finde ich den kulturellen Austausch. Fatime kommt ursprünglich aus Afghanistan und hat auch im Iran gelebt. Obwohl sie noch nicht lange in Österreich lebt und auch erst mit 18 Jahren das erste Mal eine Schule durch das BACH Bildungszentrum besuchen konnte, spricht sie schon sehr gut Deutsch. In ihrer Freizeit betreibt sie gerne Taekwondo. Fatime hat sich schon jetzt sehr gut integriert. In einem nächsten Schritt möchte Sie die Schule abschließen und einen Arbeitsplatz finden.

Shadya und Fatime

Marie: Wie lässt sich die Lernpatenschaft mit deinem Job vereinbaren? 

Shadya: Vor meiner Zeit bei Deloitte habe ich als Lernpatin Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu Hause besucht, was mit einer Vollzeitbeschäftigung jedoch immer schwieriger wurde. Bei der Initiative Integration durch Bildung kann man die SchülerInnen bei Deloitte unterrichten, was ich als großen Vorteil empfinde. Des Weiteren besteht die Möglichkeit sich die Patenschaft mit KollegInnen zu teilen. Sollte man also einmal einen Termin haben oder auf Urlaub sein, kann die Lernhilfe trotzdem fortgeführt werden. In meinem Fall treffe ich Fatime alle zwei Wochen für 1,5 Stunden, was sich sehr gut vereinbaren lässt.

Für mich ist die Möglichkeit neben meinem Job einer sozialen Aktivität nachgehen zu können eine wertvolle Bereicherung. Ich kann die Lernpatenschaft sehr empfehlen und bin überzeugt, dass man damit nicht nur einen kleinen Beitrag zur Integration leisten kann sondern auch für sich persönlich sehr viel mitnehmen kann.

Marie: Wo siehst du Fatime in 10 Jahren?

Shadya: Hoffentlich glücklich mit einem Job, der ihr Spaß macht. Sie hat auch schon einige Ideen, was sie in Zukunft machen möchte. Sie überlegt Altenpflegehelferin zu werden, fragt sich aber derzeit noch, ob sie den österreichischen Dialekt gut genug verstehen wird 😉

Vielen Dank für das Interview!

Deloitte/RBI Finance & Accounting School

Die TeilnehmerInnen der Deloitte/RBI Finance & Accounting School haben das zweite Modul (Deutschkurs B2-C1) am WIFI erfolgreich abgeschlossen!

Die TeilnehmerInnen, sowie Lehrer bzw. Organisatorinnen

Nächste Woche startet bereits Modul 3 (ein Wirtschaftsdeutschkurs) als Vorbereitung für die anschließenden Buchhaltungspraxiskurse.

Das gesamte Programm wird im November mit einem Zertifikat abschließen und so den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere am österreichischen Arbeitsmarkt bilden.

Wir wünschen allen TeilnehmerInnen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für ihr Engagement und ihren Eifer!